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Yishai Sarid. Monster

Kein & Aber Pocket Verlag
 
Eigentlich wollte er im Bereich der Mittelaltergeschichte mehr oder weniger reüssieren, vor allem aber seine Ruhe haben. Im Roman „Monster“ von Yishai Sarid lernen wir einen zunächst nicht sehr ehrgeizigen israelischen Junghistoriker kennen. Bald stellt sich heraus: Aufstiegsschancen bestehen nur, wenn er sich „vor den Karren der Erinnerung“ spannen lässt. Gemeint ist die Erinnerung an die Schoa.
So strebt er alsbald eine Promotion in Yad Vashem an und arbeitet dort als Guide. Der Roman ist ein Brief an den Leiter der großen Jerusalemer Gedenkstätte oder genauer, ein Bericht der Rechtfertigung für einen Vorfall, der erst auf der letzten Seite aufgelöst wird.
Die Sprossen der Karriereleiter werden dann auch rasch erklommen. Bald führt der akribische Doktorand in Polen Schülergruppen durch die KZ-Gedenkstätten und avanciert zu einem gefragten Berater auch für ranghohe staatliche Stellen. Er geht im institutionalisierten Betrieb der Erinnerungskultur auf: Phlegmatische Schulklassen, abgelenkte Touristen, hoffnungsvolle Geistliche, Gaming-Nerds und ein deutscher Filmemacher – sie alle ringen mit dem namenlosen Ich-Erzähler um das vermeintlich richtige Erinnern.
Doch die inneren Widersprüche häufen sich: Wie ist es möglich die Geschehnisse in den Konzentrationslagern wirklich zu vermitteln? Wie soll er auf provokante Äußerungen der Schulklassen reagieren? Ihm selbst setzen die Planmäßigkeit der Vernichtung und die herrschaftliche Machtausstrahlung der Täter immer härter zu. Der kühle historische Blick trübt sich mehr und mehr, als es schließlich zum finalen Gewaltakt kommt.
Sarid geht mit den Beschreibungen der Gedenkrituale und ihren fiktionalen Ausgestaltungen an die Grenze des Erträglichen. Doch er tut es mit einer Sprache, hinter deren nüchterner Gebärde die drängende Frage nach einer Erinnerung steht, die vom Monströsen erzählt, sich aber nicht selbst zum Monster auswächst.
„Monster“ ist ein Buch welches man atemlos, oft bestürzt und bewegt, vor allem aber um wichtige Fragen für das Heute bereichert, liest. tw

176 Seiten
gebunden, € 21,00
Ab April 2020 im Taschenbuch für € 12,00.


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