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Suhrkamp

"Früher Morgen war's, als sie dich holten. / Die Kinder weinten vor Schreck. / Ich folgte Dir wie einem Toten. / Die Kerze zerfloss im Eck..." Anna Achmatowa
Im Prolog dieses Romans, in dem der Erzähler berichtet, wie er durch Zufall jenen Maykel Trutz traf, dessen Lebensbericht diesen Roman hat entstehen lassen, lesen wir folgenden Satz: "Ein gutes Gedächtnis war in der Geschichte der Menschheit stets eine tödliche Gefahr. Das Vergessen wird belohnt, nicht das Gedächtnis."
Das Zeitalter der Extreme nannte Eric Hobsbawm das 20.Jahrhundert, in dem mitten in Europa das NS- und das Sowjet-Regime vierzehn Millionen Menschen ermordeten.
Eine schier unerträgliche Zahl. Empathie entsteht nicht für Zahlen, Empathie entsteht für Menschen, für nacherzählte, ganz individuelle Biographien, an denen beispielhaft das Ineinander und Verzahnen von Geschichte und Einzelschicksal begreifbar, nachvollziehbar, ein wenig nacherlebbar und im besten Falle auch verstehbar wird.
In diesem Sinne ist Christoph Hein ein grandioser Jahrhundertroman gelungen, der all das schafft, was Geschichtsbüchern oft nicht gelingt.
Erzählt wird die Geschichte zweier Familien: einer Deutschen, beginnend in der NS Zeit der frühen 30er Jahre in Berlin und später im sowjetischen Exil, und einer Russischen im Moskau der 30er und in der Verbannung.
Maykel Trutz' Vater, Rainer Trutz, ist Journalist und Autor in Berlin, schreibt zwei schmale Romane, und gerät damit prompt auf die schwarzen Listen der Nazis.
Nur knapp entgehen er und seine Frau der Verhaftung. Mit Hilfe einer russischen Freundin gelangt die Flucht ins Sowjetische Exil. Dort kommt Maykel 1934 in Moskau zur Welt. Die Eltern arbeiten schwer, mit den Händen. Man arrangiert sich.
Sie lernen einen Professor von der Lomonossow Universität und dessen Familie kennen.
Prof. Gejm ist Sprachwissenschaftler mit Schwerpunkt Gedächtnisforschung. Er hat einen kleinen Sohn, Rem, der Maykels bester Freund wird. Sie spielen zusammen und werden dabei von Gejm liebevoll und nachhaltig gefördert: Gejm trainiert ihr Erinnerungsvermögen, was für beide lebenswegbildend wird.
Am Ende der 30er Jahre geraten alle in den "Reißwolf" des Stalinschen Säuberungs- und Umsiedlungswahns. Sie werden deportiert, kommen um, bis auf die Kinder.
Maykel wird nach dem Krieg nach Deutschland, in die sowjetische Zone, die DDR ausgewiesen. Er studiert, will Historiker werden, gibt diesen Wunsch auf, wird Archivar, ein lebendiges Gedächtnis. Auch hier herrschen wieder Staatswillkür, auch hier gerät er politisch unter Verdacht. Jahrzehnte später sehen Maykel und Rem sich wieder...
Christoph Hein ist mit diesem Buch ein großartiger Roman und eine Geschichtsstunde par excellence gelungen. In sachlich, nüchternem Ton erzählt, entwickelt dieser Text eine ungeheure dramatische Wucht und Spannung und lehrt uns nichts zu verschweigen, nichts zu vergessen, Archive anzulegen, und dafür zu arbeiten, dass sie zugänglich sind. sg

477 Seiten

25,00 €

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